Warum es der beste Motivator ist, Dich daran zu erinnern, dass Du sterben wirst

"Hab keine Angst vor dem Tod, sondern vor einem nichtgelebten Leben. Du musst nicht ewig leben, Du musst nur leben."
- Natalie Babbitt -

Einmal im Monat besuche ich den örtlichen Friedhof und laufe herum. Ich bin nicht da, um jemanden Bestimmten zu besuchen.
Ich bin da, um mich an meine eigene Sterblichkeit zu erinnern.

Und es weckt mich jedes mal wieder auf.

Ich nehme diese besondere Atmosphäre eines Friedhofs wahr und fange an die einfachen Botschaften auf den Grabsteinen zu lesen. Grabsteine von kleinen Kindern bis hin zu denjenigen, die es bis zu 100 Jahren geschafft haben.
Ich bin nicht missmutig, bedrückt oder negativ. Ich habe einfach das beste Motivationsinstrument der Welt gefunden, und ich versichere Dir, dass es keine Zitate bei Facebook oder Instagram sind.
Es ist auch nicht der neueste Clip auf Youtube.

Es ist nur eine Sache, und nur diese Sache ganz allein:
Ich erinnere mich daran, dass wir alle früher oder später sterben werden.


Wie viele Sommer bleiben Dir noch?

Seneca war ein römischer Philosoph und ein Führer der stoischen Bewegung, der vor 2000 Jahren lebte. Einer seiner Essays mit dem Titel “Das Leben ist kurz“ erinnert uns alle daran, dass unsere Zeit hier fast vorbei ist.

Und doch argumentiert Seneca, und das tut er brillant, dass das Leben nicht wirklich kurz ist. Das Problem ist, das wir so viel von unserem Leben für Dinge verschwenden, die keine Rolle spielen. Zum Beispiel fragen wir uns, was andere über uns denken denken, wir verstricken uns in Klatsch und Tratsch, wir schauen stundenlang Fernsehen und wir verschwenden unser Leben auf Social Media und für viele andere unwesentliche Dinge.

Wenn dies geschieht, ist es kein Wunder, dass es uns an Klarheit und Bedeutung in unserem Leben mangelt. Es ist kein Wunder, dass wir uns täglich überfordert, überarbeitet und überreizt fühlen. Wenn wir uns auf diese Weise ablenken, haben wir nicht die Zeit oder Energie über den Tod nachzudenken.

Und doch läuft unsere Zeit ab.


Ich sehe es gerne so:

Wie viele Sommer bleiben uns noch? Wie viele frühe Morgenstunden im Juni mit dem Kaffeebecher in der Hand, während wir die aufgehende Sonne betrachten, haben wir noch übrig? Wie viele Momente mit unseren Kindern, der Familie und denen, die wir lieben, haben wir noch? Wie oft dürfen wir noch einen weiteren Tag lang das tun, was lieben?

Wir kennen die Antwort darauf nicht, aber eines weiß ich ganz genau: Der Tod ist viel näher, als wir denken, und jeder Tag ist ein Geschenk. Lass uns herausfinden, warum die Erinnerung an unsere eigene Sterblichkeit der beste Weg ist, um mit dem Leben zu beginnen und wie Du sie als Hebel nutzen kannst, um heute mutig zu leben.

Stelle die schwierigen Fragen

Die Erinnerung an unsere Sterblichkeit lädt uns ein, die schwierigen Fragen des Lebens zu stellen. Das sind die Fragen, die wir oft vermeiden, die aber trotzdem im Hintergrund Geräusche machen:

Wer bin ich?

Warum bin ich hier?

Ist dieses Leben für mich?

Bin ich auf meinem eigenen Weg oder auf dem eines anderen?

Weil sich diese Fragen so schlecht anfühlen, sind sie durch Geschäftigkeit, Lärm und die endlosen Anforderungen einer digitalen 24/7-Kultur leicht zu vermeiden. Normalerweise nehmen wir uns keine Zeit, uns diesen Fragen zu stellen, es sei denn, jemand der uns nahe steht, oder wir selbst erleben eine Krise.

Aber innerhalb dieser Fragen liegen starke Antworten. Sie erlauben uns, ehrlich zu uns selbst zu werden, anstatt dem üblichen mentalen Geschwätz nachzugeben, dem wir sonst so oft Glauben schenken.
Indem wir die schwierigen Fragen stellen, beginnen wir Klarheit darüber zu schaffen, worauf es ankommt und wir fangen an, das zu verwerfen, was unwichtig ist.

Lass los, was Dir nicht dient

Als ich aus einer 2-Zimmer Mietwohnung in mein eigenes Haus zog, erlebte ich einen Wow-Moment. Es war der Moment, als ich erkannte, dass mein Wohnzimmer größer war als meine alte Wohnung.

Allerdings merkte ich, dass ich im Laufe der Zeit anfing eine Menge Dinge zu sammeln. Ich hatte ja jetzt viel Platz. Eines Tages, als ich mich auf eine Meditation vorbereitete, wurde mir klar: Ich hatte keinen Platz mehr. Ich schaute mich um und bemerkte, dass ich kaum etwas benutzte von den Dingen, die so viel Platz beanspruchten. Ich war schockiert.

Unserem Leben ähnelnd, hatte ich mein Wohnzimmer mit Unwesentlichem gefüllt. Das Erinnern an unsere Sterblichkeit ermöglicht uns Klarheit darüber zu gewinnen, was uns nicht dient. Dies können Gewohnheiten, Denkweisen, Umgebungen und ja, sogar Menschen sein.

Schon der bloße Gedanke an das was uns nicht mehr dient löst oft eine schwere Last aus, die wir in unserem Leben spüren: Es ist einfach zu viel, und es hört nie auf. Sobald wir wieder Platz und Raum haben, fühlen wir uns leichter, klarer und in der Lage, herauszufinden was wir wirklich wollen.

Klarheit rund um unsere Träume

"Aber Ivi... Ich weiß es nicht, ich weiß es wirklich nicht."

Ich saß in einem Gespräch mit einer meiner Klientin und kaufte es ihr nicht ab. Sie war aus einem bestimmten Grund hier, und ich wollte sie nicht vom Haken lassen.

Natürlich habe ich das auch schon einmal gesagt und tief im Inneren Angst gehabt. Aber mein Glaube ist, dass wir alle wissen was wir wollen. Es geht um die Schichten des Vergessens, die wir im Laufe der Jahre über unser Wissen gestapelt haben und die unsere Ehrlichkeit uns selbst und anderen gegenüber trüben. Hier funktioniert die Tatsache unserer Sterblichkeit, als Druckmittel. Wir können ehrlich sein, unsere Wahrheit teilen und brauchen uns für sie nicht schuldig fühlen.

Oft haben wir Angst davor zu sagen was wir wollen. Sei es aus Scham, oder aus Angst zu versagen oder davor, unangenehm aufzufallen. Wenn wir mit unserer Sterblichkeit konfrontiert werden, spielt das alles keine Rolle mehr. Es gibt einen Traum tief in Dir, der darauf wartet erforscht und gelebt zu werden.

Die Frage, die sich dann stellt: Wirst Du den Mut haben, Deinen Traum von der Leine zu lassen und ihn wahr zu machen?

Die Kraft der Dringlichkeit

Hattest Du schon einmal ein Projekt, das in drei Monaten fällig war?
Du hast es aber auf die letzte Minute verschoben und am Ende irgendwie doch alles erledigt? Das haben wir alle schon.
Das ist die Kraft der Dringlichkeit, der Fristen und der Verantwortlichkeit. Wir erhalten klare, fokussierte und festgelegte Ziele und Grenzen, um sicherzustellen, dass wir fertig werden.

Aber wie oft tun wir das Gleiche mit unserem eigenen Leben? Die meisten Menschen handeln im Leben nicht mit dem Gefühl der Dringlichkeit. Sie sagen so etwas wie, morgen, nächste Woche oder nächstes Jahr.

Bis es kein morgen, nächste Woche oder nächstes Jahr mehr gibt. Die Schönheit daran sich zu erinnern, dass unsere Zeit auf Erden begrenzt ist, liegt darin, dass wir anfangen mit hoher Dringlichkeit zu leben, weil wir wissen, dass jeder Tag den wir geschenkt bekommen, mehr als zählt.

Wenn dies geschieht, sagen wir ,,Nein!“ zu den Dingen, die wir tun sollten. Wir sagen den Leuten, wie wir uns wirklich fühlen. Wir überwinden den Widerstand gegen unsere Träume, den Selbstzweifel und die Unsicherheit. Wir spüren, dass diese Träume voran gebracht werden wollen, weil der Schmerz des Bedauerns mehr Leid erzeugt, als der Mut aus dem Schatten zu treten und sich im Licht des eigenen Seins zu zeigen.

Wenn dies geschieht, beginnen wir uns selbst zu vertrauen und erkennen, dass unsere Träume es wert sind.
Und das Beste: Wir sind es wert, sie zum Leben zu erwecken.

Integriere folgendes in Dein Leben

Steve Jobs sagte, besser als ich es je könnte, in seiner fesselnden Stanford-Rede:

"Dich daran zu erinnern, dass du sterben wirst, ist der beste Weg, den ich kenne, um dem Irrtum zu umgehen, zu denken, dass du etwas zu verlieren hast. Du bist bereits nackt. Es gibt keinen Grund, deinem Herzen nicht zu folgen."

Also, wie nutzen wir nun unsere Sterblichkeit, um mutige Entscheidungen zu treffen und unsere Träume heute zu leben? Du musst nicht so extrem sein und einmal im Monat den örtlichen Friedhof besuchen, obwohl ich es Dir nur empfehlen kann.


Hier sind ein paar weitere Empfehlungen, die ich Dir ans Herz legen will:

Führe ein Tagebuch über dein Vermächtnis.

Nimm zwanzig, dreißig oder vierzig Jahre in der Zukunft. Welche Erinnerungen soll man an Dich haben?
Schreibe jeden Tag alles auf.


Schreibe einen Brief an Dein jetziges Selbst.

Nochmals, schnell vorwärts zu einer Zeit in der Zukunft, in der Du in Deinen letzten Tagen bist. Schreibe einen Brief an Dein gegenwärtiges Ich und lasse es wissen, was immer Du willst.

Führe eine geführte Meditation durch.

Es gibt verschiedene Meditationen über die Visualisierung des eigenen Todes (und das Werden zur Erde). Das sind schöne Möglichkeiten, sich der Realität zu stellen und mit dem in Kontakt zu treten, was wirklich wichtig ist.

Verbringe Zeit mit älteren Menschen.

Beginne Gespräche mit Menschen, auch in Deiner eigenen Familie, die schon eine Weile auf diesem Planeten sind. Oftmals findest Du in ihnen Edelsteine der Weisheit.

Erinnere Dich einmal am Tag an den Tod.

Nimm Dir jeden Tag einen Moment Zeit und verankere Dich in dem schönen Geschenk, am Leben zu sein.
Mit dieser Energie fragst Du Dich dann: Was ist heute ein mutiger Schritt, den ich machen kann?

Deine Zeit ist, jetzt.

Nimm Deine Sterblichkeit an, treffe die Entscheidung, die Du aufgeschoben hast, und schaue nie zurück.

Ivi Ilievski